Wie virtuell darf´s sein?

Schöne neue Shoppingwelt: Keine Frage, es ist beeindruckend, welche Möglichkeiten und Spielereien unser aller Einkaufsalltag zukünftig prägen dürften. Deutlich wurde das auch auf dem jährlichen BHB-Gipfel der Baumarktbranche zum Jahresende in Köln. Kaum ein Vortrag, eine Diskussion oder auch nur ein Smalltalk, der oder die nicht irgendwann in den Herausforderungen Omnichannel, Virtual Reality, same day delivery oder gleich Alexa, Amazon & Co. mündete.

Fast wie Kinder, die sich bei einem Film gruseln, es aber nicht lassen können immer wieder hinzuschauen, blickten viele Händler und Hersteller der Gefahr tapfer ins Auge. Sie suchten, wohl um sich Mut zu machen, gleichzeitig aber auch nach vagen Zeichen, dass die Lage noch nicht ganz so ernst sein möge. Ist sie auch nicht. Denn mal ehrlich: In einer der zahlreichen und wirklich inspirierenden Fachsessions brachte der Referent die provokante Frage auf, wie man sich das Shopping in ein paar Jahren wohl vorzustellen hätte. Spontan kam mir eine Antwort in den Sinn, die ich aber lieber für mich behielt. Ich wollte mich ja nicht als Spielverderber outen.

In den Fängen der virtuellen Welt

Sie ging so: „Ich denke, ich brauche eine neue Hose. Mein Gedankenassistent, der die olle Alexa, die nur Sprache kann, längst abgelöst hat, schickt mir über Amazon meine Lieblingsjeans aufs Tablet und mich in die virtuelle Umkleidekabine hinterher. Toll, die Hose passt, sieht schick aus und liegt – dank Gedankenassistent – auch schon im Warenkorb. Das Prime-Päckchen kommt am nächsten Morgen, die Freude ist groß – aber eigentlich brauche ich die Hose gar nicht. Ich gehe ja sowieso nicht mehr unter Leute, weil die virtuelle Welt sich komplett in meinen vier Wänden abspielt.“

Ist übertrieben, klar, aber manchmal will man eben doch noch vor die Tür. Raus ins echte Leben und rein in den Laden. Auch in das Gartencenter. Dann ist es sicher toll, wenn man sich das eigene Traumbeet schon mal virtuell bepflanzen und durch eine gar nicht mehr so futuristische Datenbrille in Augenschein nehmen kann. Die Blümchen dafür nehmen die meisten von uns aber dann doch lieber aus echten Händen entgegen, oder?

Katharina Onusseit

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